Körperorientierte neuronale Selbstregulation
Selbstregulation bedeutet, das eigene innere Erleben, wie Gedanken, Gefühle, Impulse und Körperempfindungen, aus einer erwachsenen Beobachterperspektive heraus wahrzunehmen und so beeinflussen zu können, dass man in einer inneren Balance und Ausgeglichenheit bleiben, oder sie wiederherstellen kann - wenn man das möchte.
Es ist die Fähigkeit, mit Stressoren aller Art so umgehen zu können, dass man sich nicht überwältigt fühlt, sondern handlungsfähig bleibt.
Dabei geht es nicht um Disziplin, Unterdrückung oder gar Selbstgeiselung, sondern darum, auch in schwierigen Momenten, mit sich selbst in Kontakt zu bleiben und sein eigenes Nervensystem zwischen Anspannung und Entspannung steuern zu können, um einen Zustand von Sicherheit, innerer Ruhe und Ausgeglichenheit (wieder-) zu erlangen.
In den letzten Jahrzehnten brachten die Neurowissenschaften einen erheblichen Erkenntnisgewinn bezüglich der körperlichen Einflüsse auf psychisches Befinden, etwa im Rahmen der Polyvagaltheorie. Dabei wurde deutlich, dass Selbstregulation keine mentale Technik, sondern ein körperbasierter Prozess ist. Wenn wir auf unser Nervensystem Einfluss nehmen wollen, geht das nicht über die Kognition und gutes Zureden, sondern immer über eine körperorientierte Steuerung.
Darauf basierend entwickelten sich eine Reihe methodischer Ansätze, wie `Somatic Experiencing´ (Peter Levine), `EMDR´ (Francine Shapiro), `PEP´ (Michael Bohne), `Zapchen Somatics´ (Julie Henderson), `Body2Brain´ (Claudia Croos-Müller), die `Polyvagaltheorie´ (Stephen Porges) und andere. Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass sie über den Körper auf das Nervensystem, Einfluss nehmen, um auf diese Weise eine bessere Selbstregulation, letztlich Stressmanagement, zu erzielen.
Ich habe aus den genannten Ansätzen ein Repertoire an Interventionsmethoden zusammengestellt, die sich in meiner Praxis über die Jahre hinweg in der Arbeit mit traumatischem Stress bewährt haben, indem sie dazu beitragen, beruhigend, ausgleichend und stabilisierend auf die neuronalen Netzwerke zu wirken. Personen, die diese Methoden anwenden, werden dadurch befähigt, aus sich selbst heraus ihre Emotionen, Affekte und Stressreaktionen besser zu regulieren.
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